Sonett

Vogelgesang durch das geöffnete Fenster.
Regen macht die Luft leicht.
Im Zimmer immer noch Chaos.
Die Zeit dreht ihre Runden so wie immer.

Wieder hat das Treffen nicht funktioniert.
Unsere Weltsichten passen nicht.
Wir wenden unsere Körper ab voneinander.
Wieder scheint alleine sein die einzige Option.

Ich betrachte meinen Körper im Spiegel.
Sehe seine Schwächen und Unebenheiten.
Auch denke ich zuviel nach.

Ich denke an dich und wünschte ich würde dich lieben.
So funktioniert das aber nicht.
Und so lausche ich dem Vogelgesang durch das Fenster.

Arbeit

Komm lass uns zusammen aufwachen
und etwas arbeiten.
Später können wir abhauen und wandern
und all diese verlogenen Lieder singen
die gut für uns sind weil sie verlogen sind.
Komm lass uns aufstehen und ins Kino gehen.
Wir essen Popcorn und lachen dann
über die Gefühle die gespielt werden
und klauen heimlich ihre Sprüche.
Und morgen arbeiten wir wieder.
Und natürlich werden wir streiten.
Lass dir nicht vormachen!
Das alles kommt ohne Streit nicht aus
und Streit ist ernst und verscheucht
uns von dem anderen.
Und viel zu oft habe ich die falsche Jacke an.
Und du dieses Hemd was ich nicht mag. Nur du.
Und das Geld reicht nicht und das essen schmeckt nicht.
Und ich mag dein Lieblingsbuch nicht.
Und du nicht meinen Lieblingsfilm.
Viel zu oft habe ich das schon gehört.
Nicht selten von mir selbst.
Komm wir küssen uns und schlafen miteinander.
Komm lass uns zusammen aufwachen
und etwas arbeiten.

Über 40

Manchmal denkst du
du hast alles schon gemacht.
Doch dann fährst du
das erste mal mit einem Bagger.

Manchmal denkst du
du hast alles schon gemacht.
Doch dann stehst du
vor diesem Menschen und stockst.

Ja. Natürlich legst du
dich wieder in dasselbe Bett.
Isst und trinkst
und hast jeden Monat Geldsorgen.

Du hattest 40 Sommer und mehr.
Bindest dir seit einiger Zeit
deine Schnürsenkel und
manchmal verzweifelst du daran.

Es ist immer das gleiche.
Und doch sind da noch mehr
Bagger und Gespräche und
Bücher und Blicke von dir.

Worüber wir schweigen.

Worüber sollen wir noch reden?
Was gibt es noch zu sagen?
Willst du mir noch mal sagen
das ich nicht mehr über Autos
meckern soll? Soll ich dir
nochmal sagen das du mich
nicht mehr unterbrechen sollst?
Ob etwas war, weiß ich nicht
aber ich weiß das es vorbei ist.
Mein Geruch geht dir auf die Nerven,
ich hasse dein Haar.
Wir sind beide schmutzig
durch unsere Worte. Das alles
fühlt sich an wie ein Sarg.
Ich bin am ende,
du schon darüber hinaus.
Jetzt sitzen wir hier
sehen jeder in eine andere Richtung
und die Stunden vergehen.

Jedesmal anders.

Teil 8

Es war nicht einfach. Aber das musste es ja auch nicht sein. Er hatte sie gefunden und bei ihr aufgeräumt. Er hatte für sie gekocht und war ruhig geblieben. Hatte keine Fragen gestellt und einfach gelesen. Mehr war auch nicht nötig. Langsam tauchte sie wieder auf. Nahm wieder was zu sich. Sah ihn an. Mehr war auch nicht notwendig. Es tat ihm gut etwas zu tun zu haben.

Abends lagen sie auf der Couch, ineinander verschlungen und sahen dem Licht beim verschwinden zu. Sie meditierten zusammen und gingen spazieren. Sie wussten immer noch nicht wohin es gehen sollte. Immerhin drängte es sie nicht mehr. Sie holten atem für den nächsten Schritt. Ob dieser je kommen würde wussten sie nicht. „Du solltest heiraten.“, sagte sie einmal unvermittelt. „Warum?“, fragte er. „Es würde dir stehen. Such dir ein Frauchen das neben dir steht. Das dich aufrichtet und dich bewundert.“ „Das klingt furchtbar.“, sagte er. Sie seufzte.

Jedesmal anders.

Teil 3

Er las den Brief noch am Briefkasten. Ihn fror. Bei ihm war es kalt. Ja, er lebte immer noch mit Sophie zusammen. Aber beide wussten, das es nur diesen Winter dauern würde. Er schrieb jede Nacht. Sie schrieb auch. Dann tauschten sie das Geschriebene aus, warfen eine Münze welchen Text sie als erstes dran nehmen würden und legten los. Es wurde gefeilt und um Worte gefeilscht. Sie redeten und redeten bis sie halbwegs zufrieden waren. Dann rauchten sie zusammen etwas. Manchmal schliefen sie miteinander, manchmal nicht. Tagsüber gingen sie spazieren oder lasen. Alles andere ängstigte sie.
Er steckte den Brief in seine Tasche und brachte das Gemüse nach Oben. Heute würde es Reis mit Gemüse geben.
Als er oben ankam war sein Lächeln echt. Sie küssten sich und fingen an zu kochen. In Gedanken schrieb er schon den nächsten Brief.

Jedesmal anders.

(Teil 2)

Hallo meine Krähe,
Ich befinde mich in den 20er Jahren. Oder so ähnlich. Eigentlich weiß ich nicht genau wo ich bin. Ich habe die letzten 2 Wochen diesen Menschen gemalt. Ihr würdet euch gut verstehen. Obwohl er dieses Stärkeding fährt was du so verabscheust. Aber eigentlich bist du nicht anders. (Ja, ich höre schon auf.)
Es war herrlich ihn zu beobachten. Seine Schultern. Seine Brust. (Wie gesagt, du hättest ihn gemocht. Auch wenn du es nie gesagt hättest.) Ich hab ganz professionell getan, aber ich glaube das er mich durchschaut hat. Er hat aber nichts gesagt.
Draußen ist überall Staub. Und überall Schmutz. Die Sonne scheint jeden Tag. Ich trinke zuviel und rauche zuviel. Bald werde ich weiterziehen.
Triffst du dich noch mit ihr? Ich sehe euch förmlich in ihrer kleinen Höhle. Wie ihr euch Geschichten erzählt und euch stundenlang über ein Wort streitet. Sei gut zu ihr, sie hat es verdient. (Und bei „Sinn machen“ hat sie recht, du alter Taoist!) Gestern hab ich eine vollkommen rote Katze gesehen. Zu allem Überfluss hatte sie sogar rote Augen. Sie nickte mir zu. Und die Krähen haben nach dir gefragt.
Ich wünsche mir Regen.
Katharina.

Floß der Zeit

Für die Füxin

Durch dich entkomme ich
den Schlingpflanzen in
meinem Kopf und mein Körper
atmet auf. Will sich in
deinen hineingraben.
Deine Berührungen wecken
mich auf. Deine Worte
halten mich auf dieser Welt.
Es ist nicht einfach,
aber das muss es ja auch
nicht sein.
Ich hoffe, das ich nicht
zu egoistisch bin.
(Auch wenn ich deine
Antwort darauf schon ahne.)