Gesang der Irrlichter

Und nicht mal Irrwege. Gar keine Wege. Nichts zu ändern. Du bist wie du bist. Und es ist nicht mal wichtig wie du bist. Das Leben geht vorbei und nichts ändert sich. Und nicht mal Irrwege nur falsche Gedanken und keine Kraft aufzustehen. Und trotzdem aufstehen. Sich nicht wie ein Märtyrer fühlen wollen und dumme alte Klischees bedienen. Und nicht mal Wege und das ganze ist langweilig. Und nicht einmal Sex und warum auch es fühlt sich ja doch falsch an. Und Zuwendung nicht spüren und wenn doch dann falsch. Zu viel falsch. Und nicht einmal Wege. Keine Irrwege. Und es können. Kein Sinn. Unwirklich. Keine Tode. Nichteinmal das. Keine Wege. Keine Auswege. Immer nur auf sich selbst schauen. Kein gutes Bild. Im Spiegel. Keine Worte. Zuviel Worte. Nur aus Worten bestehen. Keine guten Worte. Überleben. Keine Tode. Kein Sex. Keine Selbstliebe. Keine Wege. Nicht einmal Irrwege.

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Erase and Rewind

Aufwachen.
Zurückspulen.
Von vorne anfangen,
aber zu müde für Streit.

Jeden Tag beobachten,
aber nichts wissen.
Sich öffnen,
ohne das man verblutet.

Menschen suchen
mit verbundenen
Augen. Leben mit
angezogener Handbremse.

Man atmet die kühle,
erfrischende Luft ein.
Trinkt einen Schluck
und es geht weiter.

Aus dem Fenster sehen

Manchmal ist es
zu wenig, Worte
aneinander zu reihen
und ich sollte besser
etwas nützliches tun.
Nicht nur am Fenster
stehen mit einer Hand
am Fensterglas.
Und ich meine
nicht das, was sie so
Events nennen oder
Ausgehen oder Party.
Manchmal möchte
ich etwas anderes
spüren als die schlechte
Heizungsluft und die
Müdigkeit.
Manchmal möchte
ich riechen, schmecken
reden und jemanden
ins Gesicht sehen.

Aber inzwischen
habe ich nur das hier.

Blutkreislauf.

Ich weiß,
in diesem Moment
sollte ich zufrieden sein.
Mit mir und
dem Leben.

Ich weiß,
in diesem Moment
sollte es keine Angst geben.
Ihr seid da und
alles wird gut.

Ich weiß,
in diesem Moment
fließt Blut durch meine
Adern und transportiert
Sauerstoff.

Ich weiß,
es gibt Liebe und Bier
und deinen Geruch.
Hass und Rausch
und Solidarität.

Ich weiß das.
Jetzt und hier,
mit meinen gereizten
Nerven kann ich es
spüren.

Aus sicherer Entfernung

Die Menschen beobachten.
In Gesprächen dichten.
Niemanden kennen.
Bilder erschaffen.

Nach Liebe suchen.
Keine finden.
Nur Worte und
falsche Gedanken.

Sich unverstanden
fühlen wo man in
Rätseln spricht.
Niemand erkennt dich.

Stampf nur mit dem
Fuß auf das macht
wenigstens
ein Geräusch.

Ganz fälschlich hat man den Dadaismus als eine künstlerisch oder eine philosophisch eindeutig definierbare Weltanschauung ausgegeben, während sich der echte Dadaist gerade dadurch von anderen unterschied, daß alles was da war, für ihn „Dada“ war – eo iso: das Treibhaus-Gemüse der aesthetischen Lotophagen wie die lukullischen Geschmacklosigkeiten der Kriegsgewinnler; das Gebell einer Volkskundgebung wie das Bla-bla-bla einer Ministerrede; eine päpstliche Enzyklika; eine Notverordnung der Regierung; das abgewertete Papiergeld einer Inflation, das Leitartikelpapier der Weltpresse; eine Vaterlandsliebe ud ein Sexualverbrechen, eine standrechtliche Hinrichtung und ein Fememord aus dem Hinterhalt.
In der dadaistischen Verkürzung gruppierte sich das Weltbild um zwei Figuren: auf der einen Seite der Dadaist, der den Narrenbetrieb komisch nahm – auf der anderen die dadaistisch verfolgungswahnsinnigen Normalmenschen, die es ihm übel und sich selbst ernst nahmen. Der echte Dadaist war dagegen auf beiden Seiten beteiligt, überall zugegen.

Walter Mehring – Die verlorene Bibliothek

Zwerchfell

In deinen Armen
die rosa Wolken
vor uns sehen.

Der Geruch deiner
nackten Haut und
deine Kälte die
meine Hitze
ausgleicht.

Deine Finger
die die Schnittstellen
meines Körpers
nachfühlen.

Keine Worte,
nur Küsse.

Gänsehaut spricht,
während wir schweigen.
Zwerchfell
hebt sich.