Berühren

Sie genossen einander mit allen Sinnen
und waren so ohne Worte. Sie küssten
einander die Brustwarzen und saugten auf ihrer Haut
als ob sie auf Blut stoßen wollten.
Ihre Augen sahen ineinander.
Sie lächelten.
Rochen die Gerüche ihrer Sexualität.
Flossen ineinander.
Sie erfüllten, was sie auf der Strasse einander
versprochen hatten.

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Über 40

Manchmal denkst du
du hast alles schon gemacht.
Doch dann fährst du
das erste mal mit einem Bagger.

Manchmal denkst du
du hast alles schon gemacht.
Doch dann stehst du
vor diesem Menschen und stockst.

Ja. Natürlich legst du
dich wieder in dasselbe Bett.
Isst und trinkst
und hast jeden Monat Geldsorgen.

Du hattest 40 Sommer und mehr.
Bindest dir seit einiger Zeit
deine Schnürsenkel und
manchmal verzweifelst du daran.

Es ist immer das gleiche.
Und doch sind da noch mehr
Bagger und Gespräche und
Bücher und Blicke von dir.

Scham

„Die alte Scham ist falsche Scham.“
(Inge Müller)

Meinen Körper auch nur
vor mir zu zeigen ist schwerer
als ich zugeben mag. Er ist
nicht hässlich, aber er gehört
nicht wirklich zu mir.
Und wir streiten oft.

Mich vor dir zu öffnen
erfordert viel Mut, meine Worte
sind nicht dafür ausgerichtet.
Schon das ich dich schön finde
bereitet mir fast Schmerzen.
Und ich weiß nicht warum.

Ich zu sein erfordert oft
viel Geduld, obwohl es bestimmt
nicht schlechter ist als vieles
andere was man sein könnte.
Ich muss es schützen.

Körper nebeneinander.

Mit der Nase in dich kriechen.
„Verschling mich, bitte!“,
flüstern. Sonst nicht sprechen.
Wissen das alles endet.

Ineinander kriechen. Alles wissen.
Alles berühren. Alles Küssen.
Einander atmen. Tief und genau.
All diese Dinge die es eigentlich nicht gibt.

Wir wohnen nur in unseren Körpern.
Sie brauchen keine Schilder.
Nur Berührungen. Und Liebe.
Schlicht. Einfach. Klar.

Ich hab nur das.

Und dann streichelst du mir
über den Rücken und erzählst
mir von den Sternen in der
Wüste und ich war noch nie da.
Ich höre dir zu und du streichelst
immer noch meinen Rücken.
Und ich sehe dich an und ich
weiß all das ist nicht wirklich
ohne das ich darüber schreiben
kann und ich versuche hier zu sein
und nicht bei den Worten.
Und dein Körper und deine
Geschichten sind neben mir.
Ich weiß nicht damit umzugehen.
Du erzählst und lauscht auf meine Stille.
Und lächelst als würdest du etwas
wissen was ich noch nicht weiß.

Die Worte

All diese Worte sind so leer und ausgelaugt. Selbst die Metaebene ist es. Ich versuche es zu greifen und mich neu zu erfinden. Gehe Umwege und verzettel mich dabei. Versuche es einfach so auszusprechen, aber das geht natürlich nicht. Zustandsbeschreibung. Weiß, Männlich, Heterosexuell. Tiere mögen mich, auch wenn ich nicht weiß wieso. Wiederhole alles viel zu viel. Stelle Dinge einfach so da, wo bleibt die Tiefe?

Wo bleibe ich. Das positive über mich? Das was ich mir sage. Es ist noch nicht da. Ich sage es nochmal und langweile mich. Schreibe nur über mich. Und langweile mich.

Da draußen. Menschen. Sonnenaufgänge. Gespräche. Hier nur ich. Ordne Worte zu Sätzen zusammen. Versuche etwas zu verstehen. Versuche Vorurteile zu vermeiden. Versuche nicht zu sehr von mir zu reden. Versuche mich nicht zu verlieben. Sondern Menschen wertzuschätzen. Versuche Sex wertzuschätzen ohne den Menschen dahinter zu vergessen. Die Menschen. Mein Gegenüber und mich. Selbstbewusstsein. Selbstverständnis. Körpergefühl. Mann sein. Oder Mensch. Gefühle. Feingefühl. Ich stottere. Bin immer noch ein Alien. Alles ist zu viel. Es ist anstrengend so zu tun, als wäre ich ein Mensch. Das richtige zu sagen.

Eine Pause

Für Ikkyu

Das ist der Moment.
Der Moment in dem
du ruhig wirst.
Ruhig und überlegt.
Siehst, dass die
Gefühle alle da sind
und du sie wirklich
fühlen darfst und sie
nicht sind wozu sie
all diese furchtbaren
Texte und Melodien
machen wollen. Und
du es wert bist sie zu
fühlen.Das es reicht
wenn der Himmel grau
oder blau oder rot ist.
Und der Regen nass.

Einen Apfel essen.

Er suchte weiter. Ohne Anfang, ohne Ende. Denn es gab beides nicht. Versuchte zu sprechen. Menschen wirklich kennenzulernen. Was hatte ihn weggetrieben? Oder war er niemals da gewesen? Wo wollte er hin?
Er träumte von Menschen mit denen er arbeiten konnte. Gleichen Zielen. Grünen Wiesen und Picknicks. Festen bei denen er sich nicht überflüssig fühlte. Etwas zu dem er hinkommen konnte. Künstlerkolonien und Wohngemeinschaften.
Er wollte sich endlich an seine eigenen Pläne halten.
Er gab nicht auf. Das Konzept war ihm zu melodramatisch geworden. Zu einfach. Aber wo wollte er hin?
Das war alles noch zu nebelig. Er wusste es. Er wollte auf den Punkt kommen. Einfach und klar wie ein Apfel zu essen sollte sein Leben sein. So wollte er Menschen begegnen.

Männer. (In eigener Sache)

Es ist Arbeit. Jeden Tag. Der Drang jede Minute mich zu beschweren.. Über mich. Über mein Leben. Dass objektiv nicht so schlecht ist. Das ich schon wieder an diesem Punkt angelangt bin, nervt mich. Mache meinen Rücken gerade und trinke noch etwas Wasser. Mache mich bereit unter Menschen zu gehen. Weiß nicht wohin. Arbeite. Reiße mich zusammen. Lerne meinen Körper zu deuten. Und eure Körpersprache. Berührungen gehen immer besser. Habe Angst vor Reizüberflutung. Erlebe sie täglich. Müsste mein Leben anders planen. Es ist schon besser geworden. Bestimmte Gedanken sind nicht mehr so stark. Ich weiß, ich bin stark. Ich möchte stark sein, nicht hart. Nicht dieses „männlich“ was jetzt überall so gefeiert wird. (Nur weil sie sich jetzt waschen sind sie nicht „weiblicher“ geworden…) Als Kind wollte ich manchmal Kleider tragen. Nicht weil ich ein Mädchen sein wollte. Ich mochte einfach Kleider. (Ich mag sie immer noch.) Ich mochte auch die „Mädchenthemen“ lieber. (Bis auf Pferde..) Nach den neuen Trends wäre ich heute wohl viel bei den Mädchensachen. Es stört mich. Sehr sogar. Nicht weil ich mich schämen würde. Sondern weil ich nicht möchte, das ich so eingeengt werde. Ja, ich bin ein Mann. Deswegen möchte ich aber trotzdem meine Gefühle ausleben. Ich sein. Mutig und trotzdem gefühlvoll. (Und ich möchte mich verlieben können in wen ich will ohne das ich mich entscheiden muss, aber das ist vielleicht ein anderes Thema.) Ich möchte Vater sein ohne das es heißt, das ich dafür verantwortlich bin, dass ich das Geld heranschaffe.
Ich versuche schon lange etwas über „Männlichkeit“ zu schreiben. Das alles sind hier erstmal ungeordnete Gedanken die raus mussten.