Lebenszeit

Death in Liebe gewidmet

Leben in Ruhe.
Von niemanden bemerkt.
Leben in Ruhe.
Nicht teilgenommen.

Keine Experimente!
Kein Feuerwerk!
Kein glücklicher Rausch!
Nur Schlaf und Arbeit.

Die Kinder nicht
über den Rand fallen lassen.
Den Bäumen
beim wachsen zusehen.

„Das ist das Leben!“,
sagten die Leute.
Heute sollst du
über dich herauswachsen.

Nein, auch wenn ich mich
widerhole:
„Ich habe keine Antworten!“
Nur das was alle bekommen:
Ein Leben.

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Rotwein/Nacht

Es ist Nacht und sie sitzen da. Engumschlungen reden sie und trinken. Im Hintergrund knistert eine Schallplatte Musik. Es ist Nacht und sie reden. Was sie reden ist eigentlich egal. Es kommt nicht darauf an. Sie sind traurig. Aber sie fühlen sich wohl. Lange haben sie getanzt. Bei sich zuhause. Alleine. Jetzt reden sie. Und trinken Rotwein. Sie berühren sich immer wieder. Spüren sich. Bald sind sie nackt. Jetzt trinken sie Rotwein. Hören Musik. Das ist alles was passiert. Heute. Morgen gehen sie aus und trinken die Gesellschaft von Menschen. Heute sitzen sie da, trinken Rotwein, sind atemlos und berühren sich. Später schlafen sie engumschlungen auf dem Fußboden ein.

4Uhr Morgens

In dieser Zeit,
mitten in der Nacht,
verwahrlost und durstig,
müde verwirrt und voller Scham.
geil und impotent,
wartend auf den Schlaf oder den Morgen
oder den Tod oder die Erlösung
oder einfach nur einen Satz.
Ein paar Worte die noch
hervorkommen aus der Lawine,
dem Chaos der Bilder und Gefühlen
und Meinungen und dem
Blut der Verzweiflung über den Tod.

Schlaflied

Schlaf ein mein Kind.
Schlafen ist wichtig.
Es passiert viel.
Nicht alles ist gut.
Schlaf ein mein Kind.
Schlaf ein mein Kind.
Dein Vater hat nicht
alle Antworten.
Er kann nicht alles.
Schlaf ein mein Kind.
Träume gut mein Kind.
Auch du wirst erwachsen.
Tastest dich nach vorne.
Wirst oft nicht weiter wissen.
Träume gut mein Kind.
Hab keine Angst mein Kind.
Nicht weil alles gut ist.
Sondern weil es weitergeht.
Und es gibt Humor.
Hab keine Angst mein Kind.

Waldspaziergang

Kurze Stunden draußen
wie gestohlen weil man
scheinbar nicht arbeitet
und nur der Stille lauscht.
(Und manchmal einem Specht.)
Alte dumme Lieder fallen dir
ein, aber um die geht es nicht.
Wir wissen doch worum es geht.
Aber die Kräuter riechen herrlich.
(Und der Schlaf hier tut gut.)
Vielleicht kann man das hier
doch genießen, ohne sich die
böse alte Zeit zu wünschen.
Liebe funktioniert ja auch noch.
(Sie wird sogar vielfältiger.)
So lass uns denn umarmen und
liegenbleiben später essen
wir etwas und genießen das Leben.
Und machen keinen Lebensplan daraus.
(Und wehren uns gegen die Oberförster des Lebens.)

Müde Knochen

Den ganzen Tag zu schlafen,
erzeugt eine seltsame Art
von aus der Welt fallen und
gar nicht mehr richtig wirklich
sein als Person. Du gehst
nach draußen wo all die
Menschen feiern und etwas
vorhaben und es geht dich
nichts an. Du isst, trinkst
und gehst aufs Klo und
„die Welt“ macht weiter.
Ohne dich. Dein Kopf
dreht sich, du versuchst
es mit Fernsehen. Du
spürst das Sterben.
Auch da hilft nur, es
durchzustehen. Schlaf
weiter. Versuch es morgen
wieder.

Umarmung

Als er neben ihr lag
und den Geruch ihrer Haare
einatmete und seine Arme
umschlungen sie
hilflos und besitzergreifend.

Als er sie festhielt
nackt und bloss und
unschuldig und auch
wieder nicht und sie
wohlig knurrte im
Schlaf.

Als er sie auf den
Nacken küsste,
zart, noch immer
unbeholfen und
schüchtern,
aber bestimmt.

Als er all die tat
in dieser gewöhnlichen,
Nacht, da
genoss er still und
das war gut so.