It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity, it was the season of Light, it was the season of Darkness, it was the spring of hope, it was the winter of despair, we had everything before us, we had nothing before us, we were all going direct to Heaven, we were all going direct the other way – in short, the period was so far like the present period, that some of its noisiest authorities insisted on its being received, for good or for evil, in the superlative degree of comparison only.

(Charles Dickens/A Tale of two Cities)

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Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

(Friedrich Hölderlin)

(Der Blogautor schenkt sich zum Geburtstag einen Fremdtext…)

„Ich habe keine Philosophie, in welcher ich mich bewegen könnte wie der Vogel in den Lüften und der Fisch im Wasser. Alles was ich besitze ist ein Zweikampf, und in jedem Augenblick meines Lebens tobt dieser Zweikampf zwischen den falschen Tröstungen, die bloß die Ohnmacht steigern und meine Verzweiflung vertiefen, und diesen echten Tröstungen, die mich hinführen zu einer flüchtigen Befreiung“

Stig Dagerman

„Ich dachte lange Zeit,
dass ich die merkwürdigste Person auf der Welt bin,
doch dann dachte ich,
dass es so viele Menschen auf der Welt gibt,
dass es noch jemanden wie mich geben muss,
jemanden,der sich auf die gleiche Weise
wie ich bizarr und fehlerhaft fühlt.
Ich stelle sie mir vor,
und ich stelle mir vor,
dass sie irgendwo da draußen ist,
und dass sie auch an mich denkt.
Nun, ich hoffe,
dass falls du da draußen bist
und dies liest,
du weißt, ja, es ist wahr,
ich bin hier,
und ich bin ebenso eigenartig wie du.“

(Frida Kahlo)

Kriegslied (Matthias Claudius)

‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg!
O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
‘s ist leider Krieg –
und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?
Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
‘s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein
(Matthias Claudius)

(Heute ist der 200. Todestag von Mathhias Claudius. Ich mag seine einfache Art Dinge und Gefühle zu beschreiben. Sicher werde ich ihn nicht größer machen als er war. Und das „Das waren noch Zeiten“-Spiel spiele ich nicht mit. Und doch…)

Ganz fälschlich hat man den Dadaismus als eine künstlerisch oder eine philosophisch eindeutig definierbare Weltanschauung ausgegeben, während sich der echte Dadaist gerade dadurch von anderen unterschied, daß alles was da war, für ihn „Dada“ war – eo iso: das Treibhaus-Gemüse der aesthetischen Lotophagen wie die lukullischen Geschmacklosigkeiten der Kriegsgewinnler; das Gebell einer Volkskundgebung wie das Bla-bla-bla einer Ministerrede; eine päpstliche Enzyklika; eine Notverordnung der Regierung; das abgewertete Papiergeld einer Inflation, das Leitartikelpapier der Weltpresse; eine Vaterlandsliebe ud ein Sexualverbrechen, eine standrechtliche Hinrichtung und ein Fememord aus dem Hinterhalt.
In der dadaistischen Verkürzung gruppierte sich das Weltbild um zwei Figuren: auf der einen Seite der Dadaist, der den Narrenbetrieb komisch nahm – auf der anderen die dadaistisch verfolgungswahnsinnigen Normalmenschen, die es ihm übel und sich selbst ernst nahmen. Der echte Dadaist war dagegen auf beiden Seiten beteiligt, überall zugegen.

Walter Mehring – Die verlorene Bibliothek

„Was Vater Shaw da gepredigt hat, ist falsch. Man kann nicht anders ›werden‹ – weil man nun einmal so ist.

So:

Zersplittert und hundsgemein böse und geil und niederträchtig und gut und gutmütig und rachsüchtig und ohnmächtig-feige und schmutzig und klein und erhaben und lächerlich, o so lächerlich! Nachts kommt das alles herausgekrochen, schlängelt sich in die Schwärze um das Bett, vergiftend und vergiftet, durch alle Poren kommt es heraus. Töte ihn! fressen! ich will ihn haben – er müßte mich … gibt auch zu viel Geld aus – mein dicker Oberschenkel! müßte mal wieder zum Friseur gehen – und …

»Ja und wie er mich unter der maurischen Mauer küßte und da dachte ich er so gut wie ein andrer und dann sah ich ihn an mit meinen Augen mich wieder zu fragen ja und dann fragte er mich ob ich wollte ja sagen meine Gebirgsblume und dann umschlangen ihn meine Arme ja ich zog ihn herab zu mir und er konnte meinen duftenden Brüste fühlen ja und ganz wild schlug ihm das Herz und ja ich sagte ja ich will. Ja.«

So schließt dieses außergewöhnliche und merkwürdige Buch.

Liebigs Fleischextrakt. Man kann es nicht essen. Aber es werden noch viele Suppen damit zubereitet werden.“

 

Lieber Herr Rowohlt,

nein es ist kein runder Geburtstag, aber ich wollte Ihnen schon seit ein paar Jahren was schreiben. Zumal ich mir ihren Geburtstag gut merken kann. Nämlich einen Tag nach mir. (Und 30 Jahre vor mir.) Und was? Naja, ein Dankeschön. Wofür? Dafür muss ich etwas ausholen, denn es ist einiges. (Keine Abschweifungen versprochen. Das können sie sehr viel besser.)

Zunächst für die „Grüne Wolke“. Weil sie damit nämlich einem ruhigen, etwas ängstlichen kleinen Jungen ein wenig Rotwelsch beigebracht haben. (Verfatz dich, du schräger Singvogel!) Und mich damit etwas mutiger gemacht haben.

Dafür das sie mir den Unterschied zwischen einem elisabethanischen und einen jakobinischen Shakespeare erklärt haben. Schreddelgitarre eben.

Das sie mir gezeigt haben, das es schön ist ein Bär zu sein. Groß, stark und doch fein.

Das sie mir gezeigt haben, das man älter werden kann ohne völlig zu verblöden, oder die Gedanken seiner Jugend völlig ad acta zu legen. (Na gut meine Großeltern waren auch nicht schlecht darin, aber jetzt ist es auch wichtig für mich…) Das sie mir gezeigt haben, dass man zu seiner Überzeugung stehen kann und zwar ganz, ohne grässlich steif zu werden und anderen den eigenen Musikgeschmack aufdrängen zu wollen.

Dafür, das ich dank ihnen noch ein gutes Bilderbuch zum Vorlesen hatte. Und das sogar mit Walter-Trier-Bildern! (Mit denen ich im übrigen auch aufgewachsen bin.) Und die so gut waren, das es eins der wenigen Bücher ist, dass ich immer noch gerne vorlese. Und die Prinzessin, was meine Tochter ist, konnte sie bald alle auswendig und konnte sie ihren Freundinnen „vorlesen“. (Jetzt hat sie es ja mehr mit Mathe, aber das ist auch schön.)

Und natürlich, dass sie besagter Prinzessin Pu vorgelesen haben. Mit allen Stimmen! Es war immer schön es aus dem Kinderzimmer zu hören und zu wissen: Ja!

Viel wäre noch zu erzählen. (Z.B. Über Alfred Polgar, von dem sie einen Brief besitzen und den ich dank ihnen richtig entdeckt habe.) Aber ich möchte ja nicht aufdringlich sein. Nur sie zum Geburtstag grüßen. Und eben danke sagen.

P.S. Ich mochte ihre Kolumne die nur aus P.S. bestand.

P.P.S. Die Prinzessin sagt, sie kann sich an das „vorlesen“ von ihr nicht erinnern. Es ist aber doch passiert!

„Man bringt also unsern armen Andreas in die Sakristei, und er kann leider nichts mehr reden, er macht nur eine Bewegung, als wollte er in die linke innere Rocktasche greifen, wo das Geld, das er der kleinen Gläubigerin schuldig ist, liegt, und er sagt: »Fräulein Therese!« – und tut seinen letzten Seufzer und stirbt.

Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod!“

Die Legende vom heiligen Trinker (Joseph Roth)

Und so geht es mir überall und immer. Jeder hat sein Plätzchen auf der Erde ausgesteckt, hat seinen warmen Ofen, seine Tasse Kaffee, seine Frau, sein Glas Wein zu Abend und ist so recht zufrieden; selbst dem Portier ist ganz wohl in seiner langen Haut. – Mir ists nirgends recht. Es ist, als wäre ich überall eben zu spät gekommen, als hätte die ganze Welt gar nicht auf mich gerechnet.

(Joseph von Eichendorff)

Aus dem Leben eines Taugenichts