Ehrlichkeit

Ehrlich schreiben über mich und die Welt.
Alles erwähnen. Auch die Besuche im Pornokino.
Alle Sexarbeiterinnen die ich besuchte.
Alle seltsamen Götter erwähnen an die ich glaube.
Der ganze Hass der in mir schwimmt.
All die Liebe die Katzen und Hunde für mich haben.
Jede Konklusion die ich aus jedem Buch gezogen habe.
Leben die ich gerettet und gestört habe.
Das Mitleid mit totgefahrenen Tauben. Manchmal.
Und das fehlende für Menschen. Manchmal.
All die Tode. All die Leben. All die Langeweile.
All die Masturbation. All die Stunden vor dem Fernseher.
All die Wege und Straßen und Autobahnen und Eisenbahnstunden.
All das tanzen und lesen und seltsame Gedichte schreiben.

Wie fühlt es sich an?

In meinem Körper leben keine Schmetterlinge.
Zur Zeit nicht einmal Motten.
Ich weiß, du wolltest nur mich,
aber ich schlafe noch und versuche zu erwachen.
Ich schleppe mich nach hause und denke an
die Kraft die ich gestern noch hatte.
Der Tod ist keine Option.
Aber Ruhe wäre schön.
How does it feel?
Feel to feel.
Wie immer.
Angst, Wut, Selbsthass und Überlebenswille.
Ich weiß, es ist dir zuwenig.
Mir ist es zuviel.
 

Das was ich will

All das was ich esse und trinke.
Alles das was durch meinen Körper geht.
All die Gedanken, Nährstoffe und Gefühle.
All das möchte ich teilen.
Ich bin nicht besser als ihr.
Natürlich nicht.
Ich sehe euch.
Auch wenn ich immer übertreibe.
Mein Körper, lange missachtet von mir.
Meine Worte die meist keinen Sinn ergeben.
Meine Lust zu schüchtern vertreten.
All das möchte ich teilen mit euch.
Möchte reden und lachen mit euch.
Auf meine bescheidene Weise.

Das ist es nicht

Das ist es nicht.
Es ist nicht das kollabieren auf der Straße.
Das sind Bilder. In dir. In euch.
Aber das ist es nicht.
Du weinst nicht in dein Essen.
Schreist nicht nach Gott und deiner Mama.
Das sind Bilder. Hilfen um es zu verstehen.
Aber das ist es nicht.
Du lebst. Du lächelst. Spielst ihre Spiele.
Nur: All das funktioniert nicht.
Es ist nicht laut. Die Welt ist laut.
Nichts könnte weiter weg von Drama sein.
Das ist es nicht.

Scham

„Die alte Scham ist falsche Scham.“
(Inge Müller)

Meinen Körper auch nur
vor mir zu zeigen ist schwerer
als ich zugeben mag. Er ist
nicht hässlich, aber er gehört
nicht wirklich zu mir.
Und wir streiten oft.

Mich vor dir zu öffnen
erfordert viel Mut, meine Worte
sind nicht dafür ausgerichtet.
Schon das ich dich schön finde
bereitet mir fast Schmerzen.
Und ich weiß nicht warum.

Ich zu sein erfordert oft
viel Geduld, obwohl es bestimmt
nicht schlechter ist als vieles
andere was man sein könnte.
Ich muss es schützen.

Vom Bett aus geschrieben

Wenn die Welt sich dreht
auch in deinem Kopf.
Wenn du nicht mehr mitlaufen
kannst, weil du im Bett liegst.
Wenn du nichts mehr mitbekommst.
Das da draußen geht dich nichts
mehr besonders an. Dein Blutdruck
ist ganz am Boden.
Du möchtest reden, gehörst aber
ins Bett. Nie war die Welt
verlockender, aber du kannst nicht
zu ihr. Du weißt du bist krank.
Das alles ist seltsam. Widersprüche
wieder einmal. Würde darüber nachdenken
wenn mein Kopf es zuließe.
Nur winken will ich.

Jedesmal anders.

Teil 7

Nach zwei Tagen kündigte er. Er konnte sich nicht einen einzigen Handgriff merken. Er wusste nicht was er machen sollte. Auch nach der fünften Erklärung nicht. Draußen sah er sich die Menschen an. Er glaubte nicht mehr das er dazu gehörte. Alles hörte sich falsch an. Sie konnten all diese Bewegungen. Wussten was diese Blicke bedeuten sollten. Wussten wann sie lachen sollten. Er verstand es nicht. Er konnte sich all diese Bilder, Romane und Musikstücke merken, aber keine Namen von Menschen. Er kannte die Geschichten von unzähligen abseitigen Fernsehserien, aber nicht was der Gesichtsausdruck von dem Menschen vor ihm bedeuten soll.

Wo war die Vogelfrau? Langsam machte er sich Sorgen. Er kannte sie. Sie war so das er sie verstehen konnte. Sie sprachen einen gemeinsamen Code. Mussten sich nichts erklären. Er kaufte sich einen Cappuccino und ging in den Park. Dort überlegte er was er tun könnte.

Jedesmal anders.

Er kam nicht nach Griechenland. Er wartete auf einen Anruf, eine Nachricht. Er saß in seiner Wohnung, trank Rum. Er schrieb wirre Gedichte. Er las „Krieg und Frieden“. Er rauchte zuviel. Alles Oberfläche.
Er wusste sich in Szene zu setzen. Kannte alle Serien und die guten Bücher. Er hatte die wichtigen Filme gesehen. (Manchmal sprach er wie Charles Foster Cane.) Vielleicht war nicht sie eine Einbildung, sondern er?
Mit seinen Therapien war er nicht weiter gekommen. Er war immer noch leer. Seltsam eigentlich. Er beschloss sich einen Job zu suchen. Das war auch keine Lösung, aber wenigstens hatte er etwas zu tun.